„Die Uckermark – das Long Island der Berliner…“

Die Uckermark. Für die, die nicht hier leben, scheint sie piefig, eng und leer. Je weiter man von der Metropole nach Norden fährt, umso schweigsamer wird die Landschaft – und auch die Menschen, die dort wohnen. Das liegt zum einen an der mit jedem Kilometer sinkenden Bevölkerungsdichte und zum anderen auch an denen, die hier sind. Sie ertragen das mit sich sein – Zugezogene suchen diese Herausforderung.

Open Country
Frühjahr 2015: Wenn die Kraniche Rast machen…

Viele Worte macht man hier oben nicht und die Leichtigkeit des Seins scheint – je weiter man Berlin hinter sich lässt – einer gewissen Schwermütigkeit zu weichen. Aber das täuscht. Man muss nur genauer hinschauen, sich darauf einlassen. Denn hier gibt es keine grelle Neonreklame, die das Entdecken abnimmt. Vielmehr heißt es mit allen Sinnen zu entdecken. Wobei Ausnahmen die Regel auch hier bestätigen. Denn die Kraniche hört man momentan wieder weit über das Land als Ausrufer des nahenden Frühlings. Greller und lauter  kann Neonreklame auch nicht sein.

Icon adelt die Uckermark
Das „Icon“ adelt die Uckermark in seiner letzten Ausgabe

Jetzt kommt das ICON und verpasst der wundervollen Landschaft den Ritterschlag. Ich zitiere gerne:

„Ein paar Kilometer nördlich vom hektischen Berlin gelegen. Statt grauer Häuserfassaden gibt es hier grüne Hügel und mystische Seen. Für die Berliner seit Generationen das, was für New Yorker Long Island ist: Das Refugium zum Durchatmen.“

Für mich ist dieses Durchatmen Alltag. Ich tausche es jeden Morgen, wenn ich zur Arbeit nach Berlin fahre, wie so viele andere auch, gegen die Aufgeregtheit und Schnelligkeit Berlins. Alles im Wissen, dass ich am Abend wieder die Weite und Ruhe zum Durchatmen habe. Das ist genau der Weg, den Moritz von Uslar in  seiner beschreibenden Erzählung „Deutschboden“ in die andere Richtung nahm. Ihn verschlug es nach Hardrockhausen, Zehdenick – eine, auch meine  Stadt – beschaulich und mit rauem Charme. Wissend um seine Rückkehr in die große Stadt, fand er hier das Kleinstadtleben, das er suchte – ungeschminkt und ehrlich schön. Zehdenick, das Tor zur Uckermark, bietet den perfekten Einstieg in diese Landschaft, derer territoriale Zusammengehörigkeit sich wohl bis ins Jahr 1250 zurückverfolgen lässt. Im letzten Jahrhundert eine Arbeiterstadt, die mit ihrer Ziegeleindustrie dafür sorgte, dass Berlin so wachsen konnte. Hier sagt man, halb Berlin wurde aus Zehdenicker Ziegeln errichtet. Und wer Deutschboden, diesen kleinen Ort hinter Zehdenick mitten im Wald findet, der wird sich dabei ertappen, wie alles hinter einem bleibt… Ab hier taucht man erst richtig in die Uckermark ein… Wald, Wiesen, Seen…

Übrigens, mein Tipp: Wer die Uckermark per Rad entdeckt, der erfährt mehr – auch von sich. Denn hier ist der Weg das Ziel. Sollte man es trotzdem sportlich angehen lassen wollen, kommt man auch auf seine Kosten. Da es die letzte Eiszeit bis in die Uckermark geschafft hat, schob sie viel MAterial vor sich her und schuf hier bizarre Hügel. Der ambitionierte Fahrer findet fast aus dem Nichts kommende Anstiege – meist kurz, mal etwas länger, aber dann durchaus knackig. So zum Beispiel wenn man von Lychen kommend Boizenburg in Richtung Templin passiert.

Mit dem Rad durch die Uckermark
Weit weg vom Mainstream: Straßen, wie man sie von Radrennen aus Belgien oder dem legendären Paris Roubaix kennt.

Fährt man raus aus dem Ort, tut sich eine Wand auf. Anders können sich die Muur von Geradsbergen oder der Koppenberg beim Amstel Gold Race, diese Monumente des Radsports, auch nicht anfühlen. Wer hier zu früh all seine Kraft verpulvert, der wird merken, wie lang und schmerzhaft diese Anstiege sein können. Legt man es darauf an, kann man selbst für diese eigentlich flache Gegend die einen oder anderen Höhenmeter sammeln. Und als ob das nicht reichen würde, finden sich auch immer wieder schmale, nicht ausgebaute Nebenstraßen mit rauem Asphalt und sogar noch mit Kopfsteinpflaster, auf denen man sich seine Kilometer hart erarbeiten muss.

5 Gedanken zu “„Die Uckermark – das Long Island der Berliner…“

  1. Ich liebe die Überschrift – und den Text – und die Bilder! Das sagt alles und noch viel mehr. Ein wunderbarer Text!

    PS: dieses Gefühl – oder besser – die nicht vorhandene Gefühl in den Handgelenken, wenn man den ein oder anderen Kilometer über Kopfsteinpflaster gestrampelt ist…

    1. Gerade von meiner Tour nach zwei Wochen Erkältung zurück, und dann hier so ein toller Kommentar …merci … Und die Headline musste ich aus dem Zitat aus dem Icon extrahieren. Auch mich hat das sehr berührt . … Und zu diesem Text inspiriert .

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